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Filmvorführung

Dieser Post wird regelmäßig aktualisiert und findet sich auch hier 

Orte und Uhrzeit

Hamburg:

  • 20:00 – Hamburg-Harburg: Sauerkrautfabrik (SKF)

Mecklenburg-Vorpommern:

  • 17:00 – Rostock: newcomer Cafe, Budapester Str. 16 (zuerst Küfa dann Film)

NRW:

  • 18:00 – Essen: Zentrum für Kunst und Soziales, Holzstraße 12 (mehr Infos hier)
  • 19:00 – Bochum: Soziales Zentrum (SZ), Josephstraße 2, 44791 Bochum (sz-bochum.de), 3G-Regel, Maskenpflicht  ++ Mehr Infos hier
  • 19:00 – Dortmund: Black Pigeon, Scharnhorststr. 50 ab 18 Uhr Briefeschreiben ++ Mehr Infos hier

Sachsen:

  • 19:30 – Wurzen: Kanthaus (Kantstraße 20, 04808 Wurzen)
  • 20:00 – Leipzig: Wagenplatz Toter Arm (ab 19 Uhr: KüFA)
  • 20:00 – Bei Dresden: Heibo-Waldbesetzung

Hessen:

  • 17:00 – Frankfurt, JVA Preungesheim (Monatliche Soli-Kundgebung am Knast, wo Ella gefangen ist – mit Filmvorführung)
  • 18:00 – Projektwerkstatt Saasen (Gespräch mit einem Beteiligten aus dem Ella-Verteidigungsteam)
  • 18:00 – Weiterstadt: Kommunales Kino im Bürgerzentrum, Carl-Ulrich-Straße 9
  • 18:00 – Gießen: Prowo-Wohnzimmer, Lincolnstr. 11-13
  • 18:00 – in 35633 Lahnau, Wohnzimmervorführung, Kontakt: mail@isoldezehme.de
  • 19:00 – Im Danni-Camp (Homberg-Dannenrod, Zur Waldecke)
  • 19:00 – Biebertal (bei Gießen): Hof Strupbach 1
  • 20:00 Wiesbaden: Vogeltränke an der Kreativfabrik, Murnaustraße 2 (mit anschließender Gesprächsrunde/ Möglichkeit Fragen rund um den Danni zu stellen)
  • 20:00 – Frankfurt am Main: Grüne Lunge (mit Widerstandsliedern aus dem Danni und anschließender Diskussion)
  • 20:00 – Marburg: KFZ, Biegenstraße 13
  • 20:00 – Weiterstadt: Kommunales Kino im Bürgerzentrum, Carl-Ulrich-Straße 9
  • 20:00 – Gießen: OpenAir vor dem Landgericht, Ostanlage 15, als Demo angemeldet

Baden-Württemberg:

  • 20:15 – Freiburg: Falkenbergerstraße 20
  • 20:00 – Mannheim: ASV Mannheim Jungbusch, Beilstraße 12, 68168 Mannheim, 3G

Bayern:

  • 20:00 Aschaffenburg: Stern e.V., Platanenallee 1

Niedersachsen:

  • 17:00 – Braunschweig: Nexus (Frankfurter Str. 253b)
  • 20:00 – Dörverden-Westen: Kneipe (Hauptstr. 20, Internetseite der Kneipe)
  • 20:30 –  Göttingen OM10 (Obere-Masch-Str. 10)  mit der Knast-Soligruppe Göttingen
  • 21:30 – Oldenburg, Cine K (Bahnhofstraße 11)
  • 21:30 – Bremen, Klimacamp (Hinter dem Schütting 11)

Rheinland-Pfalz:

  • 20:00 – Mainz: Haus Mainusch, Staudingerweg 25, 55128 Mainz

 

Uhrzeiten noch unklar in:

 

ZAD Lützerath

Uni Koblenz

 

Ella – ein Dokufilm gegen die Lügen von Polizei und Justiz

Am 1. Oktober 2021 wird an vielen Orten ein Film uraufgeführt zum gesamten „Fall Ella“ und den dahinterstehenden Skandalen, Lügen usw. Mit Hilfe der vorhandenen Videos und weiterer Erklärungen zeigt er, wie alles abgelaufen ist und warum Anklage, Haftgründe und die gesamte Beschuldigungsstory eine Lüge sind. Dieser Film ist inzwischen im Entwurf fertig, wird aber noch mehrfach durchgeprüft und diskutiert. Er beginnt mit Passagen über die politische Einordnung (Protest gegen A49, Form der Auseinandersetzung/Räumung, Ziele repressiver Einschüchterung). Dann folgen anhand der Bilder von einer Theater-Nachstellung und den Originalvideos sehr präzise Nachweise, dass die Darstellungen falsch waren und die Lügen geplant, um ein Abschreckungsopfer zu kreiieren.

Vorschlag für einen Ankündigungstext

Es war ein abschreckendes Urteil nach einer langen Untersuchungshaft: Die immer noch „unbekannte Person Nr. 1“ wurde vom Amtsgericht Alsfeld zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Das dramatische Gerichtsverfahren basierte dabei komplett auf Erfindungen. Mehrere SEK-Polizisten tischten eine frei erfundene Story zu den Abläufen bei der Räumung der Waldbesetzung gegen die A49 im Herbst 2020 auf. Sie phantasierten von Fußtritten und Kniestößen, Lebensgefahr, Todesangst und Verletzungen. Geschwärzte Atteste mit gar nicht zum Tattag passenden Daten wurden als Beweise akzeptiert, Widersprüche zwischen Aussagen am Tag selbst und den konstruierten Vorwürfen Tage oder Wochen später zu Missverständnissen umetikettiert. Es war völlig klar: Mit „Ella“, die wie unbekannte Person (UP1) genannt wird, war ein Zufallsopfer gefunden, um die ganze Bewegung zu diskreditieren und abzuschrecken. Offenbar war den Lobbyist*innen einer Weiter-so-Autogesellschaft und der autoritär-politischen Justiz ein Schlag gegen Verkehrswende-Aktive wichtig, da diese durch die Besetzung des Dannenröder Waldes deutlich gestärkt wurden. Der Alsfelder Richter Süß machte sich zum Handlanger und willigen Vollstrecker. Paradox: Er schwächte die Verteidigung von Ella durch die Ablehnung von zwei der drei vorgesehenen Verteidiger*innen mit dem absurden Argument, diese seien kritisch gegenüber dem Autobahnbau eingestellt. Er selbst gehört einer Partei an, die auf regionaler und überregionaler offen für den Autobahnbau eintritt – doch für ihn galt die erfundene Regel politischer Neutralität nicht.

Der Film „Ella“ ist eine Antwort auf die Justizskandale. Solidarische Zusammenhänge haben in akribischer Recherchearbeit einen Dokumentationsfilm erstellt, der klar belegt, was an dem verhängnisvollen 26.11.2020 im Dannenröder Wald wirklich geschah. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht wollte die Beweise für die Lügen der Polizei nicht zur Kenntnis nehmen. Der Film wird sie zeigen. Er wird erstmals am 1. Oktober, dem Jahrestag des Polizeiangriffs auf die Waldbesetzung aufgeführt – an gleichzeitig sehr vielen Orten. Informationen für alle, die solche Vorführungen organisieren, und die Liste der Spielorte, werden auf https://ella.siehe.website und https://freethemall.blackblogs.org/unbekannt/ veröffentlicht.

Idee und Vorgehen

Am Freitag, den 1. Oktober 2021 wird mit ungefähr gleicher Uhrzeit an gaaaaaanz vielen Orten drinnen oder OpenAir der Film uraufgeführt. Ziel ist, viele Hundert solcher Vorführungen zu organisieren – überall in Kinos, als Demo, in Veranstaltungsräumen, politischen Zentren, auf Wagenplätzen, Protestcamps, vor Gefängnissen und gerne in größeren Städten auch an mehreren Spielorten gleichzeitig. Dafür wird dann sowohl lokal als auch überregional geworben, so dass ein wirksames Ereignis entsteht. Die Vorführungen sollen frühestens um 17 Uhr beginnen, können aber auch später am Abend terminiert werden.

Damit alles gelingt, müssen in der nächsten Zeit viele Menschen/Gruppen passende Ort klarmachen oder Veranstalter finden – von OpenAir als angemeldete Demo oder politische Zentren bis zu Uniräumen oder Kinos. Viele Vorführungen sind wichtiger als wenige große. Wenn beides gelingt (viel und groß) – noch besser. Und dann die Medien einladen. Begleitend sollten alle, die können und wollen, auch bundesweit dafür trommeln. Es wird bundesweite Presseinfos und eine ständig aktualisierte Liste der Spielorte geben.

Du willst eine Vorführung organisieren? Dann kümmere dich um Raum, Technik usw. und melde dich unter kobra@projektwerkstatt.de oder freethemall@riseup.net, damit du über die weitere Vorbereitung informiert wirst, Termin und Ort bei euch veröffentlicht kann und du kurz vor dem 1. Oktober die Zugangsdaten zu der Filmdatei erhältst.

Zum Film selbst

Der Film wird ca. 50-60 Minuten lang werden. Er wird von Unterstützer*innengruppen und Teilen des Verteidigungsteams von Ella vor dem Amtsgericht Alsfeld erstellt. Seitens des Staates und insbesondere der Strafverfolgungsbehörden wird ein Interesse bestehen, die Fakten des Films zu vertuschen, denn inzwischen geht es nicht mehr nur um die Abschreckung, sondern auch um die Vertuschung eines Justizskandals und der durch Falschaussagen, falsche Beschuldigungen und Freiheitsberaubung begangenen Straftaten. Daher scheidet eine Vorabfreigabe aus. Die Vorführung des Filmes ist legal.

Der Film wird zumindest im HD- und FullHD-Format als MP4-Datei bereitgestellt (Sonderformate auf Anfrage). Es erfolgt kein offizieller Verleih, da das Projekt nicht-kommerziell agiert. Er wird folglich auch kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Trailer auf https://freethemall.blackblogs.org/unbekannt/ und https://ella.siehe.website (direkter Link: https://youtu.be/qVQuCv9mbz0)

Die Filmvorführung kann eingebettet sein in mehr:

  • OpenAir-Vorführung im Rahmen einer angemeldeten Versammlung – dann kann Drumherum auch noch mehr passieren.
  • Vorfilm zum Danni-Protest?
  • Nach dem Film Diskussionsveranstaltung z.B. mit Menschen, die bei der Waldbesetzung oder sogar im Dorf Nirgendwo dabei bzw. mit Menschen, die Ella seit Monaten unterstützen oder beim Prozess in Alsfeld dabei waren. Wir werden versuchen, Referent*innen zu vermitteln (bitte meldet euch, wer bereit wäre, bei einer der Vorführungen als Gast dabei zu sein).
  • Anschließend kann die Möglichkeit bereitgestellt werden, den Film auf mitgebrachte Datenträger zu kopieren, um seine Verbreitung sicherzustellen.
  • Und alles mögliche Andere passt auch: Küfa, Vokü, (spontane) Aktion nach dem Film auf der Straße usw.

Selbstverständlich kann der Film auch danach noch gezeigt werden bei anderen Gelegenheiten. Für eine große Wirkung ist aber wichtig, dass am 1. Oktober viel passiert.

Warum der 1. Oktober?

Im (bisherigen) Verteidigungsteam von Ella, welches vor allem aus Gießener Aktivistis besteht, haben wir uns auf den 1. Oktober 2021 als Ur-Aufführungstermin geeinigt. Das hat mehrere Gründe:

  • Der Termin sollte so früh wie möglich sein, um Druck auf die Repressionsbehörden auszuüben und eine Haftentlassung von Ella zu erreichen.
  • Ein Termin im September ist für Kinos kaum noch einzuplanen, außerdem ist es für viele Ankündigungen in Monatsmagazinen schon zu spät.
  • Der 1. Oktober ist der erste Jahrestag des Angriffs auf die Waldbesetzungen gegen die A49 (Räumungs- und Rodungsbeginn im Herrenwald).
  • Zudem ist der 1. Oktober ein Freitag. An jedem ersten Freitag im Monat findet an der JVA Preungesheim eine Soli-Demo für die Freiheit von Ella und allen statt. So besteht die Möglichkeit, dort den Film zu zeigen, z.B. an der Gefängnismauer.

Zum Stand des Verfahrens: Zweite Instanz (Berufung) beginnt wahrscheinlich am 2. Dezember am Landgericht Gießen

Am 2. Dezember – wieder nach einem halben Jahr Verzögerung – soll am Landgericht Gießen die nächste Runde eingeläutet werden. Der Termin ist noch nicht offiziell, aber zeigt bereits, dass die Justiz mit ihren dreckigen Tricks weitermacht. Denn ganz offensichtlich geht es den Gerichten erneut darum, das Verfahren so lange zu verzögern, bis „Ella“, wie die unbekannte Person (UP1) genannt wird, die Strafe abgesessen hat. Das bisherige Verteidigungsteam war sich aufgrund der klaren Beweissituation sicher, am Ende einen Freispruch erwirken zu können. Bedauerlicherweise sind nun alle bisher Beteiligten aus dem Verfahren gedrängt worden. Das wird die solidarische Unterstützung nicht stoppen. Der Film soll ein wesentlicher Bestandteil werden. Er soll auch die Gerichte zwingen, endlich die Beweise für die Lügen zur Kenntnis zu nehmen und entsprechend zu handeln: Free Ella!

Soligrüße von Kletter-FLinta* – Bildet Banden!

Textauszüge von Lena Stoehrfaktor – Passt auf einander auf:

„Wenn du zerbrochen bist, und nicht mehr weiter weißt und die Hoffnung hängt sich auf. Mach irgendwas, wein, schrei und tanz – Passt aufeinander auf!

Und wenn die Welt sich dumpf und morsch anfühlt und du nicht weißt wohin. Dann bin ich da für dich und wir suchen gemeinsam einen Sinn. Und wenn du denkst, dass sich sonst niemand hier versteht und sogar die die dich gut kennen deine Handlungen verdrehen. Dann geh den Schritt zurück zu dir. Spar dir die Energie, um den Anderen zu beweisen, dass du doch so bist wie sie. Sie verloren vielleicht schon vor langer Zeit die Empathie. Lass dich davon nicht irritieren man, blend sie aus und mach was dir bringt. Bewahr dir deine Sensibilität, es wird wen geben der sie braucht und wenn wer das zu schätzen weiß, dann passt ihr aufeinander auf. Wenn alle labern und erwarten, dass du machst was sie dir sagen. Wenn ihre Stimmen an dir nagen, du nicht weißt was sollst du machen? Hör in dich rein und guck wonach dir gerade ist. Da merkst du bist nicht wertlos, auch du wenn du mal Scheiße frisst und während du da sitzt und denkst, dass du so überflüssig bist, merkst du gar nicht was mir deine Anwesenheit gibt.

Ich werde bei dir bleiben bis du wieder Boden hast, unter deinen Füßen dir die Nacht verkürzen, dass du es bis morgen schaffst. Ich weiß das Leben ist so fad und abgefuckt. Doch es gibt immer ein Platz für dich in einer Welt in die du passt!

Vielleicht hat dir keiner gesagt, dass du sehr stark bist, fühlst dich langweilig und dumm. Doch in dir drin wartet ein Schatz. Ich hab’s gesehen, du weißt es auch und wenn du merkst du wirst gebraucht – passen wir aufeinander auf!”

Wir kämpfen hier weiter für eine Welt ohne Knäste, SEK und Umweltzerstörung – In Solidarität mit dir und allen anderen Gefangenen! Bis alle frei sind <3

Liebe Grüße von den Kletter-Flinta*s

Lena Stoehrfaktor – “Que se cuidan los unxs a los otrxs”:

“Cuando estás roto y no sabes qué hacer y la esperanza está colgada. Haz algo, llora, grita y baila – ¡Cuidado con los demás!

Y cuando el mundo se siente aburrido y podrido y no sabes a dónde ir. Entonces estoy a tu lado y buscaremos juntos el sentido. Y cuando crees que aquí nadie te entiende e incluso los que te conocen bien tergiversan tus acciones. Entonces, da el paso atrás hacia ti mismo. Ahorra tu energía para demostrar a los demás que, después de todo, eres como ellos. Puede que hayan perdido la empatía hace mucho tiempo. No dejes que te irrite, mézclalo y haz lo que te funcione. Mantén tu sensibilidad, habrá alguien que lo necesite y si alguien lo aprecia, entonces se cuidan mutuamente. Cuando todo el mundo balbucea y espera que hagas lo que te dicen. Cuando sus voces te corroen, no sabes qué hacer… Escúchate a ti mismo y mira cómo te sientes. Te das cuenta de que no vales nada, incluso cuando estás comiendo mierda y mientras te sientas ahí pensando que eres tan superfluo, no te das cuenta de lo que me da tu presencia.

Me quedaré contigo hasta que vuelvas a estar en tierra, acortaré la noche bajo tus pies para que puedas llegar hasta mañana. Sé que la vida es muy aburrida y jodida. Pero siempre hay un lugar para ti en un mundo en el que encajas.

Tal vez nadie te haya dicho que eres muy fuerte, que te sientes aburrido y estúpido. Pero hay un tesoro esperando dentro de ti. Lo he visto, tú también lo sabes, y cuando te des cuenta de que te necesitan… ¡nos cuidaremos mutuamente!”

Seguimos luchando aquí por un mundo sin prisiones, sin SEK y sin destrucción del medio ambiente – ¡En solidaridad contigo y con todxs los demás presxs! Hasta que todos sean libres <3

¡Estamos contigo! Saludos solidarios.

Update zu Björn: Seit der Danni-Räumung im Knast

„Free Ella“ heißt es auf den Transparenten die, auf verschiedensten Demonstrationen und Aktionen auftauchen – insbesondere seit das Amtsgericht Alsfeld Ella zu mehr als zwei Jahren Knast verurteilt hat. Diese Form von Solidarität ist super, vergisst aber oft, dass seit der Räumung des Dannenröder Forst auch eine zweite Person im Knast sitzt – um die es in diesem Text gehen soll. Björn wurde in diesem Jahr in zwei Prozessen zu einer mehrjährigen Haftstrafe  verurteilt.

Nach Monaten der Räumung und Rodung der Wälder, die für den Bau der A49 weichen mussten und vielen lebensgefährlichen Räumungsaktionen der Cops wurde Björn im November im Danni festgenommen und eingesperrt. Von Anfang an gab er Personalien an, kam aber trotzdem in Untersuchungshaft. Die Cops warfen ihm zweimal Körperverletzung im Zuge der Räumung vor, Anfang des Jahres wurde er deshalb zu 12 Monaten Haft verurteilt – ohne Bewährung. Im Mai folgte ein weiteres Verfahren wegen angeblicher Straftaten aus anderen Aktionen. Ein Sammelsurium an Anklagepunkten von Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, Widerstand und tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigungen und Fahren ohne Tickets wurde verhandelt. In einem Deal wurde gegen Geständnis versprochen, dass inklusive der Haftstrafe von vorher maximal 2 Jahre und 6 Monate raus kommen. Tatsächlich berechnete die Richterin das vorherige Urteil aber nicht mit ein und verurteilte zu zusätzlichen 2 Jahren und 2 Monaten. Wie auch immer sie so ihre eigene Propaganda von der „Resozialisierung“ glauben können und sich als die Guten darstellen, wenn sie sich nicht mal an ihre eigenen Versprechen halten. Deshalb läuft eine Berufung gegen das Urteil und Björn sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Untersuchungshaft ist oft noch beschissener als Strafhaft, denn alle Briefe werden mitgelesen, Telefonate mitgehört, eine Verlegung in den offenen Vollzug (also mit etwas mehr „Freiheiten“) ist nicht möglich. Der Knast zensiert zudem alle politischen, Texte, die reingeschickt werden. Das Rote Hilfe Magazin beispielsweise ist nicht erlaubt, da „der Erhalt dieser Zeitung die Haftziele gefährdet“. So soll ein politischer Austausch und Diskussion verhindert werden. Gleichzeitig schaffen auch nicht alle Briefe den Weg raus, so schreibt Björn: „Zensieren tun die hier am laufenden Band, vor allem wenn es darum geht, wenn Dinge in Briefen über deren Verhalten steht, was ihnen nicht passt!“

Für ein halbes Jahr war zudem keinerlei Besuch möglich, nicht mal ein Videotelefonat über Skype, wie in anderen Knästen üblich.

Während es Sommer wird, geben die Briefe von Björn einen Eindruck was es mit Menschen macht, sie einzusperren: „Wenn ich jetzt hier aus dem Fenster schaue und die Sonne sehe, und zu wissen, draußen fängt das Leben wieder an zu blühen und mir dann aber im selben Moment klar wird, nicht raus zu können, zu wissen noch eine lange Zeit nicht in lauen Sommernächten an tollen Plätzen die Nacht zu verweilen, den Mond und die Sterne beschauen zu können. Oder kurz gesagt einfach die Welt zu sehen wie sie scheint, wann immer mir danach ist, bin ich schon immer wieder sehr traurig gestimmt.“

Deshalb lasst Björn nicht alleine, so wenig wie die zahlreichen anderen Gefangenen, die in Knästen sitzen. Schreibt Briefe, wenn euch nichts einfällt, schreibt einfach linke Texte ab, gerne was zu Hausbesetzungen. Den Nachnamen fürs Briefe schreiben erfahrt ihr bei freethemall at riseup do net.

„So fern und doch so nah – der Freiheit entgegen, Tag für Tag – Jahr für Jahr“.

Letter from Ella 20/07/2021

Dear comrades,

I send my warmest greetings. After so much of our efforts I’m still being held in the clutches of the state. I write as the sun has gone down and a full moon will rise, that I will not see but will feel just as I can feel your presence, our togetherness in this struggle. We may be grieviously physically separated from each other, but if the world is alive beyond our perception perhaps we are never alone. Perhaps the change we want is possible beyond what we can direct ourselves and the universe has sent us this setback so that we could clarify that we are really serious about ending ecocide and repression. With this post I want to let the world know I invite unknown allies to support us, I myself am open to what I don’t know.

The many actions that went into the service of our collective intention have made an impact on the social and material fabic of life. We have realigned ourselves with the world we wish to create and because of our sincere commitment reality has shifted. When we zoom out we can see this.

On returning back to the Frankfurt prison, a place where I, we, miss those on the outside so much , I found myself falling apart. Having experienced the humiliation of holding onto a belief that this institution of civilization would be fair with me this time, having realized my sorrowful ignorance in meeting this dead end, their confirmation bias, feeling I had let so many people down, had my dreams crushed and had to face a grim future, your solidarity has helped me bring me back together.

On a following day from the sentence, from under the door of my quarantined cell, slid a piece from Friday’s paper, an article with a photo of a demonstration, in beautiful black, 150 demonstrators reported marching in the city calling for climate justice and my freedom, and a strong meaning came back to me.

When I, we, heard your chants of the demo outside the walls the following Friday (contrary to what Junge Welt understood, as I just don’t hear the speeches clearly), the fact that we matter was reinforced. So ma ny here gave me nod of respect for my part in drawing together a mass of people that care, that bow I give to each of you. As a side note, we apologize if the reaction of one of the more psychotic prisoners here disturbed you, she made her own demonstration of what prison life in this crazy world can do. Nonetheless the event was a certain raise to our free spirits.

I hold in mind all the moments during the trial when familiar faces walked into the room, smiles shared, rich hugs had during the breaks, so much appreciation, the catching up of things I’ve missed, the resistance songs that found their way up through the window, and some song there in the middle of the court room, the banners waved, theater and vigil outside, the vegan treats in the back of the police van after trials, the thought that “wouldn’t it be nice to have something of nature to be its own representation on the table of the defence team”, then boom someone greets me with a little mitxed bundle of glouriously smelling herbs picked from their garden, and perhaps the universe confirms its listening.

And on the emotional contrary, I’ve listened to and read the accusations again and again and have experienced this system try to draw me into shame and isolation. It has been annoying that the media have been so focused on the “who is UwP1?” question rather than the reasons behind what happened and what personal safety a person may want to guard when they keep their identity to themselves. I’m grateful though that we have our own media outlets for this. But to give an answer to that question, UwP1, the person that was in this magnificient beech forest, in the last days of its existence, is me and no prosecutors projections can push her away, they only make me and thankfully a great movement hold her and their integrity even closer. This person one of many has pride in standing up for the Earth and its creature, for them to be treated as full subjects with their own needs, wants and ability to feel. Women and people of colour know especially what it’s like to be treated as less than full beings, male comrades of course you can relate, so let us not make this same mistake. Instead let’s just wake up to our independency, where our choices lead us all to more suffering or more joy and compassion. This is humanity’s crossroads.

Since the autumn I’ve felt like a leaf, plucked from its trees like it’s being held under a microscope and put on a shelf. But one day I will return to the soil as have the other leaves, and together we will fertilise this world anew. It’s already happening. The written grounds for this absurd sentence I received in the post last week, so I’m thankful work for the retrial is beginning. I truly believe we will overcome this struggle not by the strength of a superior force but by an understanding of our and the Earths intrinsic value, people’s connections to it and love for it.

If you’re also a leaf of this tree, another tree, forest or such like and you wish to write me some more uplifting post, great! If you prefer to just send me a flutter in the wind that perhaps carries a positive vibe, that’s also very welcome. But as some might like guidance for writing to a prisoner known or unknown, I like to read about a healed, greened world that might excite you. I listed some topics in a previous post, but I want to focus on our creative potential. I also accept criticism, we are a self regulating movement after all. Beware that letters get read and copied by the court so perhaps make it something you really want them to know as well. I can receive printed articles& pictures, I can wirte a “Paket Antrag” to people to receive larger items like a book. If one wants to donate money (I think the details are on this site?) that yould be a blessing. They haven’t put me to work yet. If you find yourself wishing for something else to do, just follow your joy, find whatever resistance is whithin, understand and work with that. I trust that healed inner worlds will reflect on the out.

So until next time, live life & love, love life & live

Ella UP1

#FreiheitFürAlleGefangenen #freeUP1 #freeElla #DanniLebt #keineA49 #freethemall

~* ELLA RÜF TIEHIERF *~

Liebe Kamerad*innen,

ich sende euch meine herzlichsten Grüße. Nach so vielen unserer Bemühungen werde ich immer noch in den Fängen des Staates gehalten. Ich schreibe, da die Sonne untergegangen ist und ein Vollmond aufgehen wird, den ich nicht sehen, aber spüren werde, so wie ich Eure Anwesenheit, unsere Zusammengehörigkeit in diesem Kampf, spüren kann. Wir mögen schmerzlich physisch voneinander getrennt sein, aber wenn die Welt jenseits unserer Wahrnehmung lebendig ist, sind wir vielleicht nie allein. Vielleicht ist die Veränderung, die wir wollen, jenseits dessen möglich, was wir selbst lenken können, und das Universum hat uns diesen Rückschlag geschickt, damit wir deutlich machen können, dass es uns wirklich ernst ist mit der Beendigung von Ökozid und Unterdrückung. Mit diesem Beitrag möchte ich die Welt wissen lassen, dass ich unbekannte Verbündete einlade, uns zu unterstützen, ich selbst bin offen für das, was ich nicht weiß.

Die vielen Aktionen, die in den Dienst unserer kollektiven Absicht gestellt wurden, haben Auswirkungen auf das soziale und materielle Fabik des Lebens gehabt. Wir haben uns mit der Welt, die wir erschaffen wollen, neu ausgerichtet und aufgrund unseres aufrichtigen Engagements hat sich die Realität verschoben. Wenn wir herauszoomen, können wir das sehen.

Bei der Rückkehr in das Frankfurter Gefängnis, einem Ort, an dem ich, wir, die draußen so sehr vermissen, fand ich mich selbst am Boden zerstört. Nachdem ich die Demütigung erlebt hatte, an dem Glauben festgehalten zu haben, dass diese Institution der Zivilisation dieses Mal fair mit mir umgehen würde, nachdem ich meine traurige Ignoranz gegenüber dieser Sackgasse erkannt hatte, ihre Bestätigungsvoreingenommenheit, das Gefühl, so viele Menschen im Stich gelassen zu haben, meine Träume zerschlagen zu haben und einer düsteren Zukunft entgegensehen zu müssen, hat mir eure Solidarität geholfen, mich wieder zusammenzureißen.

Am Tag nach dem Urteil rutschte unter der Tür meiner Quarantänezelle ein Stück aus der Freitagszeitung durch, ein Artikel mit einem Foto von einer Demonstration, in schönem Schwarz, 150 Demonstranten, die in der Stadt marschierten und Klimagerechtigkeit und meine Freiheit forderten, und eine starke Bedeutung kam zu mir zurück.

Als ich, wir, am darauffolgenden Freitag eure Sprechchöre von der Demo vor den Mauern hörten (im Gegensatz zu dem, was Junge Welt verstanden hat, denn ich höre die Reden einfach nicht deutlich), wurde die Tatsache, dass wir wichtig sind, verstärkt. Auch viele hier haben mir ein Nicken des Respekts für meinen Anteil an der Zusammenführung einer Masse von Menschen, die sich kümmern, gegeben, diese Verbeugung gebe ich jedem von euch. Als Randbemerkung: Wir entschuldigen uns, wenn die Reaktion einer der psychotischeren Gefangenen hier euch gestört hat, sie hat auf ihre Weise demonstriert, was das Gefängnisleben in dieser verrückten Welt anrichten kann. Nichtsdestotrotz war die Veranstaltung eine gewisse Stärkung für unsere freien Geister.

Ich erinnere mich an all die Momente während des Prozesses, als vertraute Gesichter den Raum betraten, an das gemeinsame Lächeln, an die ausgiebigen Umarmungen in den Pausen, an so viel Wertschätzung, an das Nachholen von Dingen, die ich verpasst habe, an die Widerstandslieder, die ihren Weg durch das Fenster nach oben fanden, und an das eine oder andere Lied dort in der Mitte des Gerichtssaals, an die geschwenkten Banner, das Theater und die Mahnwache draußen, die veganen Leckereien auf dem Rücksitz des Polizeiwagens nach der Verhandlung, der Gedanke “wäre es nicht schön, etwas von der Natur als eigene Repräsentation auf dem Tisch des Verteidigungsteams zu haben”, und dann grüßt mich jemand mit einem kleinen gemischten Bündel herrlich duftender Kräuter, gepflückt aus ihrem Garten, und vielleicht bestätigt das Universum sein Zuhören.

Und auf der anderen Seite habe ich die Vorwürfe immer wieder gehört und gelesen und erlebt, wie dieses System versucht hat, mich in Scham und Isolation zu ziehen. Es war ärgerlich, dass die Medien sich so sehr auf die Frage “Wer ist UwP1?” konzentriert haben, anstatt auf die Gründe für das, was passiert ist, und auf die persönliche Sicherheit, die eine Person vielleicht schützen möchte, wenn sie ihre Identität für sich behält. Ich bin allerdings dankbar, dass wir dafür unsere eigenen Medien haben. Aber um eine Antwort auf diese Frage zu geben, UwP1, die Person, die in diesem herrlichen Buchenwald war, in den letzten Tagen seines Bestehens, bin ich, und keine Projektionen von Staatsanwälten können sie wegschieben, sie machen mich und zum Glück eine große Bewegung nur noch enger mit ihr und ihrer Integrität. Diese Person, eine von vielen, ist stolz darauf, für die Erde und ihre Kreatur einzutreten, dafür, dass sie als vollwertige Subjekte mit eigenen Bedürfnissen, Wünschen und der Fähigkeit zu fühlen behandelt werden. Frauen und People of Color wissen besonders, wie es ist, als weniger als vollwertige Wesen behandelt zu werden, männliche Kameraden können das natürlich nachvollziehen, also lasst uns nicht den gleichen Fehler machen. Lasst uns stattdessen einfach aufwachen und uns unserer Unabhängigkeit bewusst werden, wo unsere Entscheidungen uns alle zu mehr Leid oder mehr Freude und Mitgefühl führen. Das ist der Scheideweg der Menschheit.

Seit dem Herbst fühle ich mich wie ein Blatt, das von den Bäumen gepflückt wird, als würde es unter ein Mikroskop gehalten und in ein Regal gelegt werden. Aber eines Tages werde ich in die Erde zurückkehren, wie die anderen Blätter auch, und gemeinsam werden wir diese Welt neu befruchten. Es geschieht bereits. Die schriftliche Begründung für dieses absurde Urteil habe ich letzte Woche mit der Post erhalten, deshalb bin ich dankbar, dass die Arbeit für die Neuverhandlung beginnt. Ich glaube fest daran, dass wir diesen Kampf nicht durch die Kraft einer überlegenen Macht gewinnen werden, sondern durch das Verständnis für den Eigenwert unserer und der Erde, für die Verbundenheit der Menschen mit ihr und die Liebe zu ihr.

Wenn du auch ein Blatt dieses Baumes, eines anderen Baumes, Waldes oder dergleichen bist und mir einen aufbauenden Beitrag schreiben möchten, toll! Wenn du es vorziehst, mir nur ein Flattern im Wind zu schicken, das vielleicht einen positiven Vibe trägt, ist das auch sehr willkommen. Aber so wie einige eine Anleitung für das Schreiben an einen bekannten oder unbekannten Gefangenen wünschen, lese ich gerne über eine geheilte, begrünte Welt, die dich vielleicht anregt. Ich habe in einem früheren Beitrag einige Themen aufgelistet, aber ich möchte mich auf unser kreatives Potenzial konzentrieren. Ich akzeptiere auch Kritik, wir sind schließlich eine sich selbst regulierende Bewegung. Seien dir bewusst, dass Briefe vom Gericht gelesen und kopiert werden, also mache vielleicht etwas daraus, von dem du wirklich wollst, dass sie es auch wissen. Ich kann gedruckte Artikel & Bilder entgegennehmen, ich kann einen “Paketantrag” an Leute drahten, um größere Gegenstände wie ein Buch zu erhalten. Wenn man Geld spenden möchte (ich glaube, die Details stehen auf dieser Seite?), wäre das ein Segen. Ich habe mich noch nicht darum gekümmert. Wenn du sich dabei ertappen, dass du dir etwas anderes wünschst, folge einfach deiner Freude, finde den Widerstand, der in dir steckt, verstehe ihn und arbeite damit. Ich vertraue darauf, dass geheilte innere Welten sich im Außen widerspiegeln werden.

Also bis zum nächsten Mal, lebe das Leben & liebe, liebe das Leben & lebe

Ella UP1

#FreiheitFürAlleGefangenen #freeUP1 #freeElla #DanniLebt #keineA49 #freethemall

~* ELLA RÜF TIEHIERF *.

Prozessbericht Ella Tag 3 (15.06) / Court case report Ella day 3

English below

Ella ist eine Gefangene aus dem Widerstandsdorf gegen die Zerstörung des Trinkwasserschutzgebietes im Dannenröder Forst für den Autobahndinosaurier A49.

Sie sitzt wegen angeblicher schwerer Körperverletzung gegen Vollzugsbeamte seit über einem halben Jahr in Frankfurt Preungesheim im Gefängnis.

Auch der dritte Prozesstag bringt wenig neue Erkenntnisse. Die Staatsanwältin möchte zu Beginn einen 2. Sicherungsverteidiger für Ella beantragen, ihr Antrag wird abgelehnt.

Heute wird ein weiterer SEK Beamter vernommen. Auch er muss weder seine Identität preisgeben, d.h. er kommt in grüner Montur und mit Hasskappe verhüllt in den Gerichtssaal. K432 aus Köln.

Auch er wird zum Tathergang befragt, nur dass er leider gar nichts gesehen hat. Weder den Vorfall, als Flüssigkeiten aus einem Baumhaus gekippt wurden, noch die Tritte und Schläge, die angeblich passiert sein sollen, da er von der Baumseite, wo es passiert ist, abgewandt war. Er war am 26.11. von der Kripo vernommen worden und beschreibt die „Täterin“ mit Adidasjacke, schwarzen Schuhen, tätowiertem Finger und Schminke im Gesicht. Auf Ellas Räumungsvideo vom ersten Tag war davon nichts zu sehen, nicht einmal die Schuhe waren schwarz. Während für die Besetzerinnen für die Räumung keine Hubwagen zur Verfügung gestandenhaben sollen, wird er nach einer Dreiviertelstunde von der Buche abgeholt, da die Buche zu glatt zum runterklettern gewesen sei.

Danach wird noch einmal das Räumungsvideo gezeigt, fast 30 Minuten lang, auf dem ausser der Versuch auf 15 m Höhe die Bandschlinge vom Fuß zu schnicken und dabei aus Notwehr in Richtung Angreifer zu treten, keinerlei Gewalttaten sichtbar werden. Von welcher Perspektive auch immer, sie schnickt ihren Turnschuhbewehrten Fuß in Richtung Schlinge und trifft dabei Hand und Helm.

Am heutigen Prozesstag wird auch deutlich, warum die anderen SEK ler von schwerer Profilsohle sprechen, denn eine schwere Sohle wird vor Gericht als Waffe bewertet, ein Turnschuh jedoch nicht.

Deshalb wird heute der Turnschuh für die nächsten Gerichtstermine angefordert.

Nun wird ein Brief verlesen, der von Gerichts wegen beschalgnahmt wurde. Der Richter verliest den Brief:

Ella schreibt: Schön, dass das Buch „liberating“von Dir endlich angekommen ist. Es ist wunderbar, davon zu lesen, es beschreibt viele Facetten indigenen Widerstands. Dann geht es um eine gemeinsame Freundin im schwedischen Gefängnis. Mit ihr diskutierte Ella, wie schlimm es sei, dass auch das Samiland durch Eisenminen bedroht sei. Kritisch äußert sie sich über die Worte der schwedischen Freundin, die antwortete: „Eisen ist gut und Grenzen sind gut.“ Sie schreibt an ihre Empfängerin kritische Worte zu dieser Einstellung.

Weiterhin führt sie aus, dass nach der Räumung im Danni sie zu dem Schlus gekommen ist,, dass es sich bei den Vertretern der Justiz um Menschen handeln muss, die in ihrer Kindheit vernachlässigt wurden. (Heiterkeit im Publikum) Sie hätten Angst ihre Dominanz zu verlieren und ihnen sei nicht bewußt, dass sie alle Blumen abschneiden können, nicht aber den Frühling aufhalten können.

Sie bezieht sich dabei auf das mangelnde Einfühlungsvermögen des Staatsapparats, sich mit intakten Wäldern und einem vielfältigen Tierreich in guter Verbindung zu fühlen und diese zu schützen.

Sie selber spricht in dem Brief die Hoffnung aus, dass sie stärker aus dem Knast herauskommen möge als sie hineingegangen ist.

Nach Verlesen des Briefes macht der Richter den Eindruck, als ob er sich selber wundert was denn in diesem Brief schlimmes drinstehen soll.

Als Zuhörer jedenfalls wurde nochmals deutlich, dass es sich um einen hochpolitischen Prozess handelt, denn es geht ja in diesem Brief nicht darum, was sie getan hat, sondern welche Haltung sie einnimmt.

Die Haltung, sich aufgrund der Klimakrise gegen Grenzen und Eisenindustrie zu stellen, hat den Richter veranlasst, den Brief zu beschlagnahmen.

Er gibt den Brief an die Empfängerin frei und behält eine Kopie für die Akten.

Prozessbeobachter und Unterstützer der Kampagne „Freiheit für die Klimaschützer“ aus dem Netzwerk um den Dannenröder Forst hatten sich ja bereits mit einer Grossveranstaltung auf den Tag der Urteilsverkündung vorbereitet.

Nun sind aber fünf weitere Prozesstage veranschlagt worden.


Ella is a prisoner from the resistance village against the destruction of the drinking water protection area in Dannenröder Forst for the A49 highway dinosaur.

She has been in prison in Frankfurt Preungesheim for more than half a year for allegedly causing grievous bodily harm to law enforcement officials.

The third day of the trial also brings little new information. The prosecutor wants to apply for a 2nd security defense lawyer for Ella at the beginning, her application is rejected.

Today, another SEK officer is questioned. He, too, does not have to reveal his identity, i.e. he comes into the courtroom in a green outfit and covered with a hate cap. K432 from Cologne.

He, too, is questioned about the course of events, except that he unfortunately did not see anything at all. Neither the incident when liquids were tipped out of a tree house, nor the kicks and punches that allegedly happened, because he was facing away from the side of the tree where it happened. He had been interviewed by the CID on Nov. 26 and described the “perpetrator” as wearing an Adidas jacket, black shoes, a tattooed finger and makeup on her face. On Ella’s eviction video from the first day, none of this could be seen, not even the shoes were black. While for the squatters for the eviction no lift trucks are said to have been available, he is taken away from the beech tree after three quarters of an hour, because the beech tree was too slippery to climb down.

Afterwards, the evacuation video is shown once again, for almost 30 minutes, on which no acts of violence are visible, except for the attempt to cut the tape sling from the foot at a height of 15 meters and to kick in the direction of the attacker out of self-defense. From whatever perspective, she snaps her sneaker-armored foot in the direction of the sling, hitting her hand and helmet.

On today’s trial day it also becomes clear why the other SEK ler speak of heavy profile sole, because a heavy sole is evaluated in court as a weapon, but a sneaker is not.

Therefore, the sneaker is requested today for the next court dates.

Now a letter is read out, which was sounded by court. The judge reads out the letter:

Ella writes: It’s nice that the book “liberating” from you has finally arrived. It is wonderful to read about it, it describes many facets of indigenous resistance. Then it is about a mutual friend in prison in Sweden. With her, Ella discussed how bad it was that Samiland was also threatened by iron mines. She is critical of the words of the Swedish friend, who replied, “Iron is good and borders are good.” She writes to her recipient critical words about this attitude.

Furthermore, she states that after the eviction in Danni she came to the conclusion that the representatives of justice must be people who were neglected in their childhood. (Laughter in the audience) They are afraid of losing their dominance and they do not realize that they can cut all the flowers, but they cannot stop the spring.

She refers to the lack of empathy of the state apparatus to feel well connected with and protect intact forests and a diverse animal kingdom.

In the letter, she herself expresses the hope that she will come out of prison stronger than she went in.

After reading out the letter, the judge gives the impression that he himself is wondering what bad things are supposed to be in this letter.

As a listener, in any case, it became clear once again that this is a highly political process, because the letter is not about what she has done, but what attitude she is taking.

The stance of opposing borders and the iron industry because of the climate crisis prompted the judge to seize the letter.

He is releasing the letter to the recipient and retaining a copy for the record.

Trial observers and supporters of the campaign “Freedom for the climate protectors” from the network around the Dannenröder Forest had already prepared for the day of the pronouncement of the verdict with a large event.

Now, however, five more days of trial have been scheduled.

Prozessbericht Ella Tag 2. (8.06) / Court case report day 2

English below

Auch dieses Mal war die Öffentlichkeit weitgehend ausgeschlossen, nur vier Sitze blieben, um den gesellschaftspolitisch so wichtigen Prozess gegen die Klimaaktivistin zu beobachten, die mit ihrem Körper versucht hat das Vogelsberger und Frankfurter Trinkwasser und die dreihundertjährigen Eichen zu beschützen.

Das erste bemerkenswerte: Die Staatsanwältin F. war im letzten Termin verhindert und hatte das Video des Richters am ersten Prozesstag zur Räumung gar nicht gesehen. Denn dort konnte man sehen, wie der Polizist das Sicherungsseil der gefesselten Aktivistin durchschneidet, sie nach hinten kippt und unwillkürlich der Fuß Richtung Polizeihelm schnellt. Darauf ist deutlich zu sehen, dass diese Situation ein Arbeitsunfall war. Ich hoffe sehr, dass die Staatsanwältin sich diesen nochmals ansieht und mit den Aussagen der SEK Beamten vergleicht.

Am 2. Prozesstag wurden nun drei SEK Beamte als Zeugen vernommen, deren Glaubwürdigkeit nach den Vorfällen der Rechten Vernetzung im SEK Frankfurt nun in der Allgemeinheit deutlich gesunken ist.

Zum Sachverhalt vernommen, gibt es bei den jungen Kerlen einige Ungereimtheiten. So will der eine Beamte Ella an ihren langen schwarzen Haaren erkannt haben, jedoch tragen die jungen Aktivisti zu ihrer eigenen Sicherheit und auf dem Video deutlich zu sehen immer eine Mütze. Wie soll er sie dann an den Haaren identifiziert haben?

Ganz sicher war sich ein Beamter, dass sie mit ihren dicken Profilsohlen nach ihm getreten habe, sie aber trug Turnschuhe.

Der Nebenkläger des SEK, Anwalt C. Und Polizeisausbilder aus Bonn, flüstert den SEKlern ständig zu, was sie sagen sollen. Desweiteren bleiben sie anonym und werden trotz Antrag nicht vereidigt.

Nun wird Stunden um Stunden diskutiert.

Nicht erörtert wird aber, wie es ihr wohl auf dem Seil ging, ob sie vielleicht in Panik oder Schock versucht hat, nach der Schlinge um den Fuß zu treten, wobei sie leicht einen Polizisten an Kopf oder Schulter trifft, das ist nicht gut zu sehen. Ich möchte nicht auf 15 Metern Höhe eine Schlinge um den Fuß bekommen, geschweige denn von drei von allen auf mich zukommenden SEK lern, deren brutales Vorgehen bei Räumungen von Aktivisti vielfältig berichtet wird. Da kommt doch jedem noch so friedliebenden Mensch Panik auf.

Aber diesen Tritt im Gerangel auf 15 m Höhe als schwere Körperverletzung zu betiteln, spricht allen Frauen Hohn, die bei häuslicher Gewalt oder bei einer Vergewaltigung mit schweren seelischen und körperlichen Verletzungen vor Gericht erleben müssen , wie ihre Angreifer kaum oder nur leicht verurteilt werden.

Dieser Prozess hingegen ist kein Prozess gegen eine einzelne Frau, sondern ein Schauprozess, um die Interessen der an der Umweltzerstörung beteiligten wirtschaftlichen Profiteure zu beschützen und die Klimaaktivist*i in ihrer Radikalität zurückzudrängen. Es ist ein Prozess gegen alle Akteur*innen zivilien Ungehorsams und damit stellvertretend ein Prozess gegen eine lebenswerte Zukunft.

Mir stellt sich die Frage, wann wir endlich eine Wende zu einer wahren Demokratie vollziehen, in der auch Landschaften, Tiere und Natur Rechte haben, Vorrang vor Profitinteressen haben.

Dann werden die Umweltzerstörer von heute, die Verantwortlichen für den Klimawandel vor Gericht stehen und sie werden weniger gute Gründe für ihr Vorgehen haben als die Klimaschützer.

Denn wegen Egoismus und Habgier die Welt und die Trinkwasserressourcen zu zerstören, wiegt um einiges schwerer als aus Sorge um die Zukunft der Welt.

Sicher werden in einigen Jahren, wenn die Klimakatastrofe noch spürbarer ist, die verantwortlichen Zerstörer von heute vor Gericht stehen, werden die Gesetze verändert und die heutigen Klimaaktivisti rehabilitiert werden und hoffentlich eine satte Entschädigung erhalten für das Ihnen zugefügte Unrecht, aber besser wäre es, sie gleich freizulassen. Von schwerer Körperverletzung jedenfalls kann in diesem Gerichtssaal keine Rede sein.

A., Prozessbeobachterin der BI gegen die A 49 und Lebenslaute Musikkollektiv

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Also this time the public was largely excluded, only four seats remained to watch the socio-politically so important trial against the climate activist who tried to protect the Vogelsberg and Frankfurt drinking water and the three hundred year old oaks with her body.

The first remarkable: The public prosecutor F. was prevented in the last date and had not seen the video of the judge on the first process day to the eviction at all. Because there one could see how the policeman cuts the safety rope of the bound activist, she tilts backwards and involuntarily her foot jumps in the direction of the police helmet. On this you can clearly see that this situation was an accident at work. I very much hope that the prosecutor will look at it again and compare it with the statements of the SEK officers.

On the second day of the trial, three SEK officers were questioned as witnesses, whose credibility has now clearly decreased in the general public after the incidents of right-wing networking in the SEK Frankfurt.

When questioned about the facts of the case, there are some inconsistencies among the young guys. One officer wants to have recognized Ella by her long black hair, but the young activists always wear a cap for their own safety and clearly visible on the video. How could he have identified her by her hair?

One officer was quite sure that she had kicked at him with her thick profiled soles, but she was wearing sneakers.

The joint plaintiff of the SEK, lawyer C. And police trainer from Bonn, constantly whispers to the SEK officers what they should say. Furthermore, they remain anonymous and are not sworn in despite their request.

Now hours and hours are discussed.

What is not discussed, however, is how she probably fared on the rope, whether she perhaps tried in panic or shock to kick for the noose around her foot, easily hitting a policeman on the head or shoulder, that is not good to see. I would not like to get a noose around the foot at a height of 15 meters, let alone from three of all SEK lern coming towards me, whose brutal approach to evictions of activisti is variously reported. There comes nevertheless each still so peace-loving humans panic on.

But to call this kick in a scuffle at a height of 15 meters a serious bodily injury makes a mockery of all women who, in the case of domestic violence or rape with serious mental and physical injuries, have to experience in court how their attackers are hardly or only lightly sentenced.

This trial, however, is not a trial against a single woman, but a show trial to protect the interests of the economic profiteers involved in the environmental destruction and to push back the climate activists in their radicalism. It is a trial against all actors of civil disobedience and therefore a trial against a future worth living.

I ask myself when we will finally make a turn to a true democracy, in which landscapes, animals and nature also have rights, have priority over profit interests.

Then the environmental destroyers of today, those responsible for climate change will stand in court and they will have less good reasons for their actions than the climate protectors.

Because destroying the world and drinking water resources because of egoism and greed weighs a lot more heavily than out of concern for the future of the world.

Surely in a few years, when the climate catastrophe is even more noticeable, the responsible destroyers of today will stand in court, the laws will be changed and today’s climate activists will be rehabilitated and hopefully receive a hefty compensation for the injustice done to them, but it would be better to release them right away. In any case, there is no question of grievous bodily harm in this courtroom.