Category Archives: Erfahrungsberichte

Brief und Statement von UP9

UP9 ist seit dem 19.02.21 wieder frei. Vorher haben wir noch einen Brief und ein Statement zugesendet bekommen, welchen wir nun veröffentlichen:

An die Menschen, die gerade vorm Knast demonstriert haben:

Ich kann nicht in Worte fassen, was mir das bedeutet.
Habt ihr mich gehört? Ich hab euch gehört!
Ihr gebt mir Kraft, den ganzen Scheiß hier zu überstehen und nicht dran kaputt zu gehen. Danke an alle Haftunterstützis und Menschen, die mir Briefe schicken!
Freiheit für alle Gefangenen! ACAT! Danni lebt!

Ich schicke euch noch ein Schreiben, das ich bisher aus Angst vor weiterer Repression nicht getraut habe zu verschicken. Es sind ein paar Gedanken zur Räumung und zur „Schuldfrage“. Natürlich stark verkürzt und subjektiv und stark emotional aufgeladen, weil ich das geschrieben habe nachdem ich gerade im Fernsehen gesehen hatte wie der letzte Baum gefällt wurde. Schreibt mir gerne, was ihr dazu denkt. Bis bald!

Statement

Aus der U-Haft, JVA Gießen
8. Dezember 2020

Jetzt ist der Danni also geräumt. Eine Schneise für eine Autobahn gerodet. Unzählige Lebewesen, ob menschlich oder nicht-menschlich, wurden getötet, verletzt, traumatisiert, vertrieben oder eingesperrt. Ein zuvor intaktes Ökosystem durchschnitten und zerstört.
Die Bilder, die mich hier erreichen, tun weh. Die zertrümmerten Reste der Baumhäuser. Die Schneise der Verwüstung. Die verletzten Menschen. Der letzte Baum, der fällt.
Viel wird jetzt diskutiert, ob die Grünen schuld an der Rodung sind. Die denke, die Schuldfrage ist, wie so viele Fragen im Leben, nicht ganz so leicht zu beantworten. Für mich lautet die Antwort: Das Kapital ist schuld, denn es gab den Auftrag; die Chefs der Autokonzerne und der DEGES, die dich Erfolg für „ihre“ Industrie erhoffen. Die Aktionär*innen, die daran sehr viel Geld „verdienen“ wollen. Die Lobbyist*innen, die Politiker*innen beeinflusst haben, damit die Entscheidung über den Bau der Autobahn zugunsten „ihrer“ Industrie ausfällt.
Der Staat ist schuld, denn er führte den Auftrag durch; die Politiker*innen von CDU und FDP, die die Entscheidung für den Bau der Autobahn trafen. Die des CDU-geführten Innenministeriums, die die Räumung koordiniert haben. Die der Grünen, die durchaus hätten einschreiten können, es aber nicht taten. Die aller Parteien, die Protest und Selbstverteidigung gegen Polizeigewalt kriminalisiert haben und das fortwährend tun. Die Polizist*innen, die die Räumung mit extremer Gewalt durchgeführt haben. Die Richter*innen, Staatsanwält*innen, Beamt*innen des Justizapparats, die jene, die sich der Zerstörung in den Weg gestellt haben, einsperrten oder anderweitig repressierten.
Das Patriarchat ist schuld, denn die überwältigende Mehrheit der Beteiligten ist cis-männlich;
Die Polizisten und Justizbeamten, die sexuelle Belästigung oder Homo- und Transfeindlichkeit zur Unterdrückung von Protest und zur Einschüchterung „anwendeten“.

Alle diese Menschen erhalten ein System aufrecht, das tötet, verletzt, traumatisiert, vertreibt und einsperrt. Das Ökosysteme zerstört und das Weltklima in nie dagewesener Geschwindigkeit anheizt. Das unsere Lebensgrundlage auf diesem Planeten bedroht.

Irgendwann werden die Wurzeln der Bäume den Asphalt im Danni wieder aufbrechen.
Ich wünsche mir, dass es dann noch Menschen geben wird.
Darum kämpfe ich gegen dieses System.
Und du?

Politische Erklärung / Brief von UP EINS

Das Original findet ihr unter dem Link ganz unten auf dieser Seite. The original document of the letter can be found at the bottom of the page

Thank you to all those for setting up this space to be heard from and corresponded with. At this stage in the movement we are all finally freeing ourselves from notions of good & bad, right & wrong and getting more in touch with reality, perspectives and some of the universal basic needs, clean drinking water, air, nature, freedom, movement, physical well-being, care, integrity, shelter, safety, connection, community, creativity, effectiveness, to name a few. You may notice that highways, violence, money, police & separation are not on that list.

I feel angry about my allegations, repression feels horrible just for being in defence of those needs that are intrinsic part of ourselves. Scared too, are society’s illusions of justice, based on a system of reward and punishment driven by fear. (Is it) really what the world at large still wants? When will we wake up to that which gives a true quality of life?
But it is up to us to first check our beliefs, our thoughts, words & actions and if they are lining up with what we truly want. It is up to us to confront & question those that prevent the meeting of our basic needs, and it is up to us to take the risks involved in achieving them.
My thoughts & absolute best wishes go out to all those loving & fighting. Those that go beyond the victim, villain, hero triangulations and those that create win – win scenarios that put all on the path to happiness. If we remember that these toxic project can still collapse, that the forest still can grow back, “one struggle, one fight, Danni, Herri, Mauli bleibt!” may actually come true.
However it ends we can always find ourselves privileged from having shared and grown from this experience.

Stay free!

Politische_Erklärung-UP1

Einige Gedanken/ erster Erfahrungsbrericht von UP14

Hallo ihr Lieben,

ich wurde am 1.12.20 aus der JVA III entlassen, nachdem ich mich zusammen mit meinen Genoss*innen in U-Haft dazu entschieden hatte, meine Personalien anzugeben. Das ist nichts, mit dem ich mich brüsten will, es erschien uns aber in dieser Situation die beste Option und ich finde das sollte kommuniziert werden. Damit sind meines Wissens nach noch mindestens 4 Menschen aus dem Danni-Kontext in U-Haft. UP18 in der JVA I und UP1, UP9 und UP6 in der JVAIII. Für mich hat diese Zeit vorerst ein Ende, aber für diese Menschen (und auch die anderen Menschen, die hinter den Mauern sitzen und warten) dauert es an. Oder bleibt die Zeit immer noch stehen. Ich habe mich für die Personalienangabe entschieden, stehe aber vorbehaltlos hinter den Entscheidungen der noch eingeknasteten UPs! Egal, welche Entscheidungen sei jetzt oder später treffen, ich bin solidarisch mit ihnen.

Es ist mir sehr wichtig, das einmal aufgeschrieben zu haben, weil ich viel mit Fragen bezüglich meiner Entscheidung konfrontiert werde, und ich nicht will, dass das in irgendeiner Art und Weise Menschen unter Druck setzt!

Seitdem ist schon fast eine Woche vergangen und langsam ebbt die Euphorie des Türen-selbstständig-öffnen-können ab und es stellen sich sehr verwirrende Gefühle ein. Ich bin sehr leicht reizbar und überfordert und habe trotzdem das Gefühl ganz viel in möglichst kurzer Zeit nachholen zu müssen. Ich denke, das ist normal.

In der JVA hatte ich eine kleine Zelle mit PVC Boden, Schreibtisch, Stuhl, separater Nasszelle und Pritsche. Die Wand in meiner ersten Zelle war rosa und einige Menschen vor mir hatten mit Kugelschreiber Strichlisten auf der Farbe geführt. Noch so ein Klischee. Es wird für die Dauer der Quarantäne ein Fernseher zur Verfügung gestellt, damit du auch ja stillgeschaltet und betäubt bist, während du 23 Stunden des Tages auf vielleicht 3 qm verbringst. Das Schönste an dieser Zeit war, dass ich mit 7 und 8 über den Hof hinweg quatschen konnte. Da haben wir auch andere Mitgefangene kennen gelernt. Teilweise war es richtig schlimm, die Menschen laut weinen und zusammenbrechen zu hören und physisch daran gehindert zu werden ihnen nahe zu sein.

Ich weiß noch, dass sich die Tage wir Kaugummi zogen, als einziger Lichtblick am Tag die kurzen Gespräche über den Hof und die eine Stunde Hofgang, die wir auch teilweise isoliert verbringen mussten.

Als dann die ersten Briefe kamen und wir die erste Demo hörten und auch sahen, keimte leise Hoffnung wieder auf. „Ihr seid nicht allein“ riefen die Leute vor der Mauer und „Freiheit für alle Gefangenge!“. Da haben sich auf einmal viele Mitgefangene aus ihren Fenstern gelehnt und nach „Freiheit“ gerufen. Das Wissen, dass es einige Menschen interessiert, was mit uns passiert, das plötzlich wieder präsente Wissen, dass es Menschen gibt, die das System Knast genauso beschissen finden wie ich, hat mir unglaublich viel Kraft und Mut gegeben. Jede Rakete die über die Mauer flog, machte das Leben so viel erträglicher.

Bei den Briefen habe ich mich sehr darüber gefreut, wenn berichtet wurde, was das Schreibende so herumtreibt, mit was für Aufgaben es konfroniert ist, was mich dann auch zur Reflexion anregte. Auch Yoga-anleitunden, kleine Rätsel und schöne Gedichte und Geschichten waren bei mir persönlich sehr willkommen und ich war (und bin) sehr gerührt von der vielen Solidarität, obwohl das ganze Ausmaß ja erst später klar wurde…

Das vieles irgendwie erträglich war heißt nicht, dass die Haftbedingungen nicht teilweise absolut albtraumhaft waren und für die Menschen drinnen immer noch sind.

Am schlimmsten traf es mich, als keine Briefe von außen mehr zugestellt wurden. Eine Woche lang war einfach schweigen und ich machte mir schon große Sorgen um einige Bezugsmenschen. Bis ich in ein Büro geleitet wurde, in dem mir ein sehr selbstüberzeugter Mensch versuchte zu erklären, dass es einfach zu viele Briefe sind und er keine Lust hätte die alle zu lesen. Außerdem würde ja irgendetwas mit dem Absender nicht stimmen, könnte ja wer-weiß-wer mir schreiben, wie soll der Staat das denn überwachen können. Nach zwei Wochen Funkstille wurden dann wieder Briefe ausgehändigt und Postkarten gezeigt. Ging anscheinend doch.

Derselbe, sehr von sich und der Wichtigkeit seines Berufes überzeugte Mensch erklärte mir die Woche zuvor, das wäre ja alles schön und nett, dass die Rote Hilfe uns Geld überwiesen hätte, das wäre aber nach kurzer Bedenkzeit der JVA (in der das Geld schon auf meinem Knastkonto schimmelte) wieder zurücküberwiesen worden. Zufällig kurz bevor der Einkauf stattfinden sollte und ich mir Lebensmittel holen wollte, da es teilweise den ganzen Tag über nur 6 Scheiben Brot (das war im Gegensatz zum Geld teilweise wirklich verschimmelt, no joke) gab, weil irgendwer keine Lust hatte, sich mit dem Thema „vegan“ und „gesunde Ernährung“ zu beschäftigen.

Aber das Geld hätte sie ja schon fast zu unserem Schutze zurückgewiesen, die Rote Hilfe sei nämlich ein vom Verfassungsschutz beobachteter Verein und der Kontakt mit extremistischen Vereinigungen ist verboten. Huch. Zwei Wochen später, nachdem dagegen geklagt wurde und uns rechtgegeben wurde, war es wieder auf dem Konto. Mit der Bemerkung des Richtenden, dass sich die JVA demnächst doch bitte an die Regeln halten sollte. Ging ja doch.

Nochmal zurück zur Post: Danke, danke, danke an all die Menschen, die geschrieben haben. Bitte schreibt fleißig weiter an die Menschen, die noch sitzen und warten, vielleicht kommt ja der ein oder andere Brief durch und sprengt ein Loch in die graue Mauer mit dem Stacheldraht. Hier ist ein Foto von all den Briefen die ich insgesamt erhalten habe. 80% davon wurden mir allerdings erst bei meiner Entlassung ausgehändigt! Unverschämt.

Im Nachhinein entdeckte ich einige Briefe mit Glitzer von denen auch ein guter Teil ungeöffnet war.

Briefe mit Glitzer kommen zwar nicht durch, aber ich lebe für das Gesicht von dem Zensor, wenn der ganze Tand auf dem Schreibtisch landet.

Seid weiter laut und widerständig! Ob im Danni, vor der JVA oder anderswo! 

Das Problem ist nicht, dass Klima/Kletteraktivist*innen eingeknastet werden, das Problem ist, dass es so etwas wie Knäste gibt!

Hier ein Interview mit “Lola” im neuen Deutschland zu den 5 Wochen U-Haft

English translation will follow, but will follow tomorrow (8.12.20)

Update zur Haftunterstützung

Liebe Menschen,

wir durften am Dienstag (1.12) und am Mittwoch (2.12) sechs der sieben Gefangenen der Transpiaktion vom 26.10.20 aus der U-Haft abholen und mit den Bezugis zusammenbringen. An dieser Stelle möchten wir uns für die Enthaltung der Information entschuldigen, da wir diese Aufgabe den Bezugis überlassen wollten und uns unsicher waren, wie viel Öffentlichkeit ein Aktivisti haben möchte.

Freigelassene sind: UWP7, UDP8, UWP14, UWP15, UWP17, UWP19

UMP 18 befindet sich weiterhin in U Haft und wird diese Woche das weitere Prozeder mit dem Anwälti besprechen. 

Wir sind sehr dankbar für eure tolle Unterstützung, für die vielen Anrufe und den Informationen, für die Briefe, für die Soliaktionen und für euren Kampf im und um den Wald herum. Die Gefangenen haben sich über alle Aktionsformen gefreut und die Informationen über verschiedene Kanäle erhalten. Die Gefangenen durften sich die Bilder der Soliaktionen anschauen, haben unseren regelmäßigen Demos mitbekommen und viele Briefe erhalten. Leider sind aber auch extrem viele Briefe nicht zugestellt worden. Dasselbe gilt für Briefe, die die Gefangenen rausgeschickt haben. Wir können nur erahnen, dass es sich um viele gehandelt haben muss, da wir kaum Briefe an die von uns angegebene Adresse erhalten haben. 

Wir möchten das Prozedere für Briefe und Bücher verbessern. Bei Büchern werden wir zukünftig den Anwältis per Haftbogen eine Bücherliste mit ISBN Nummern mitgeben. Die Aktivistis können sich dann Bücher vormerken und direkt einen Antrag auf die ausgewählten Bücher stellen. Bei den Briefen sind wir uns noch unsicher. Eine Absenderi-Adresse wurde bereit geblockt, weitere könnten folgen. Zudem wissen wir auch nicht warum viele der versendeten Briefe aus der U-Haft nie das Gebäude verlassen haben.

Erfahrungen mit Briefen:

Anleitungen kommen an und wurden positiv aufgenommen: Wie lerne ich einen Handstand, verschiedene Meditations und Yoga Übungen, Bastelanleitungen, How Tos zu verschiedenen Themen, etc. (seid kreativ)

Bilder und Zeichnungen werden den Aktivistis gezeigt, aber nicht ausgehändigt. 

Rätsel, Sudokus, Logikspiele, etc. wurden nicht durchgestellt. Vielleicht vermutet die JVA dahinter irgendwelche geheimen Botschaften. Selbst Rätsel aus Zeitschriften wurden nicht zugestellt. Trotzdem weiter probieren, vielleicht hat es bei manchen auch geklappt. Konnten nicht alle Aktivistis dazu befragen.

Schilderungen aus dem eigenen Leben. Menschis haben sich sehr über Briefe gefreut, in denen Menschen das eigene Leben reflektieren, was beschäftigt mich gerade, welche Muster durchlebe ich, was möchte ich an meinem Leben ändern, was sind meine Schwächen und Stärken, wie möchte ich an einer besseren Zukunft mitgestalten,u.s.w. Seid gerne persönlich und zeigt eure Facetten, eure Vielschichtigkeit, wir alle haben viele verschiedene Persönlichkeitanteile, gleichen uns aber in vielen Stadien unseres Lebens, teilen ähnliche Ängste und Sorgen, hoffen auf gleiche Utopien.

Wir von der Haftunterstützung bedanken uns! Die Zusammenführung der Menschen, die Vernetzung der Support- Strukturen, der gemeinsame Kampf für den Wald haben uns sehr inspiriert, beeinflusst und Hoffnung wiedererweckt. Hoffnungen auf eine solidarische Welt. Wir werden diese Momente nicht vergessen und bedanken uns dafür. In diesen Momenten wird uns die Sinnhaftigkeit unseres Handelns bewusster und der Widerstand bekräftigt. 

 

 

Brief #1 von UWP 19

English below
Hallo liebe Menschen

Danke für die Post und die Möglichkeit an diese Adresse zurück schreiben zu können.
Mir geht es ganz gut. Ich genieße die Spaziergänge in der Sonne – wenn auch im Knast Innenhof. Das Essen ist mal vegan, mal nicht.
Morgen (06.11) ist der letzte Tag Quarantäne, mal sehen inwieweit sich die U-Haft dann verändert. Immerhin werde ich dann endlich mal wieder meinen Anwalt sprechen können. Ich denke viel an Bäume, vielleicht auch weil es hier kaum welche gibt. Insofern freut es mich natürlich zu hören, dass es diesem Wald (noch)
gut geht.
Danke Menschen, dass ihr da seid und weiterkämpft! Für diesen Wald, für alle Wälder. Auf dem karierten Blatt findet ihr eine Art persönliches Statement von mir über die Situation hier und generell die Ereignisse der letzten Tage und Wochen. Meine Bitte wäre dieses am liebsten ungekürzt und abgetippt irgendwo zu veröffentlichen. Einfach als ein Zeichen aus dem Knast an alle lieben Menschen „da draußen“.
Danke, dass ihr da seid.
Danke, dass ihr uns UP´s Post schickt. Bitte hört nicht auf damit! Post zu bekommen und zu lesen – das sind tatsächlich die schönsten Stunden hier.
Kraftvolle Grüße aus dem Land des Stracheldrath und Betons. – UWP 19

Statement vom karierten Papier:

„Ein paar Worte aus dem Knast… die mir irgendwie gerade echt schwer fallen. Manchmal drücken Stacheldraht und hohe, graue Mauern auf meine Stimmung. Dann aber kommt Post von euch, ein Foto oder ein Brief und ich habe Hoffnung. Hoffnung, dass der Danni und alle (anderen) Wälder bleiben. Danke dafür, dass ihr weiterkämpft. Das Wissen darum macht mich stark und glücklich. Und das kann mir kein Mensch nehmen.
Dann ist es egal, dass die Wärter uns als „Affen in Käfigen“ (Zitat eines Wärters) sehen. Dass wir aufgrund eines unnötigen Tatvorwurfs hier sitzen und die Schikane über uns ergehen lassen müssen.
Mir hilft es zu wissen, dass ich nicht alleine bin, sondern wir gemeinsam kämpfen. Ich von hier drinnen, ihr draußen.
Solidarität als unsere Stärke, die wir ausleben.
Denn eure Stärke ist meine.
So let´s fight together.

Knastige Grüße – UWP 19“

Letter from UWP 19

Hello dear people
Thank you for the letters and for the opportunity to respond via this address.
I’m quite well. I’m savoring my walks in the sunshine – even though they’re in the prison yard. Sometimes the food is vegan, sometimes it isn’t. Tomorrow (November 11th) is the last day of quarantine, let’s see to what extent this changes the pre-trial confinement. At least i will finally be able to speak to my lawyer again. I’m thinking about trees a lot, maybe also because there are hardly any here. So of course I’m happy to hear that the forest is still fine (for now).
Thank you, people, that you‘re there and fighting on! For this forest, for all forests. On the graph paper you’ll find a kind of personal statement from me about the situation here and generally about the events of the past days and weeks. My request is for this to be published somewhere, preferably uncut and typed out. Simply as a sign from prison to all the kind people “out there”.
Thank you for being there.
Thank you for sending letters to us UPs. Please don’t stop doing that! Receiving and reading letters – those are actually the nicest times here.
Powerful Greetings from the land of barbed wire and concrete. —
UWP 19
Statement from the graph paper:
“A few words from prison… that are somehow very difficult for me right now. Sometimes the barbed wire and tall, grey walls depress my mood. But then i get mail from you, a photo or a letter, and i have hope. Hope, that the Danni and all (other) forests will stay. Thank you for fighting on. Knowing this makes me strong and happy.
And nobody can take that from me.
Then, it doesn’t matter that the guards see us as “monkeys in cages” (quote from a guard). That we’re here because of an unnecessary criminal charge and that we have to endure these harassments.
It helps me to know that i’m not alone, but that we fight together. I from in here, you out there.Solidarity as our strength, that we are acting out.
Because your strength is mine.
So let’s fight together.
Prisonly Greetings — UWP 19”

Brief #1 von Konny*

* Konny hat sich vorher Känzer genannt. Brief vom 29.10, erhalten am 05.10.

(Moin Menschis)
Es fühlt sich so scheiße an hier drin zu sein, während im Herrenlos Wald (vermutlich) die letzten Bäume -wunderschöne alte & junge Kreaturen, die im Boden mit so vielen Geschehnissen verwurzelt und in der Blätterkrone im Herbstwindam mitschwingen sind -fallen. Und der Danni kommt als nächstes dran. (Oder vielleicht auch nicht?;)) Wo Lebewesen sterben, Tiere fliehen, gelebte Utopien zerstört werden: Zuhause kaputt gemacht wird! Genau dort wird gekämpft. Gekämpft für eine andere, fairere Welt, für alles & alle Erdbewohnis. Ich möchte bei euch sein, möchte jetzt dort mit euch kämpfen, wo die Maschinerie des Profitgeilen Systems sich breit macht. Aber ich hocke hier. Hocke in dieser Zelle und bewundere die Lächerlichkeit des Staates. Und die der einzelnen Zahnrädchen… Beispiel: Denk ich an Montag früh zurück: Da regen sich Menschen auf, über Wesen, die da so an einer Brücke herum baumeln, dem Verkehr ein wenig Abwechslung bieten, und sind sauer, weil sie nicht (PÜNKTLICH!) zur Arbeit kommen.
Okay.
Ich bin WÜTEND(!), weil jeden Tag Menschen sterben, durch’s Wegschauen der Nationen wie dieser hier (BRD), weil nicht-menschliche Tiere umgebracht werden, weil der Planet zu immer graueren Betonmeeren verunstaltet wird. Und nichts mehr lebbar ist!
Hallo? Kein Boch mehr!
Mensch könnte mit Aufzählungen wie diesen noch endlos weiter machen. (Menschen die Dinge tun, die “gegen das Gesetz” sind, weil sie kein Geld haben und dann eingesperrt werden, weil sie kein Geld haben. Das ist doch alles so absurd. Aber wem sag ich das? Euch :), auch wenn ihr’s vielleicht schon wisst. hehe. An alle die es eben noch nicht geblickt haben.)

…Um mit etwas positivem weiter zu machen.
Dieser eine Spruch, der auf irgendeinem Banner steht fällt mir immer wieder ein. Ich mag ihn sehr gerne: “Wir verteidigen nicht die Natur, wir verteidigen uns selbst!” denn ihr (wir) werdet(n) nicht aufhören gegen all diese Ungerechtigkeiten vorzugehen.
Dass eben eingesperrt wird ist eine verachtende Normalität. Egal, ob in den Klpfen, am Arbeitsplatz, in Käfigen, wie Knästen. Es wird so viel genommen. Es wird so viel freiheit genommen!
Doch unsere Wut und die Hoffnung, der Zusammenhalt, die Solidarität. All das ist stärker als eure Unterdrückung, eure bekackte Repression.
Wir werden über die brennenden Knastmauern fliegen, wie es die Vögel vor meinem Zellenfenster tun.
Ich denk an euch da draußen & schicke euch ganz viel Kraft, Mut, Vertrauen und Anarchie durch die Sterne in der Nacht, die mit ihrem euchten durch die grauen Wolken brechen werden. (Aber ihr schafft’s auch ohne diese Luftpost, das weiß ich.)
Carpe Noctem & bis bald
UP15

Eine*r von den Elf erzählt

Hi,
Ich bin eine*r von den Elf und ich erzähle heute hier von meinen Erfahrungen, weil ich, anders als andere, die Möglichkeit dazu habe. Sie befinden sich noch in U-Haft- sind zum Schweigen gezwungen. 5 Tage lang habe ich ihr Schicksal geteilt. Musste aushalten gedemütigt und schikaniert zu werden. Ich habe erfahren, wie es sich anfühlt, wenn Menschen dir von Anfang an ohne jeden Respekt gegenüber treten. Wie privilegiert ich wohl bin, wenn das für mich nicht Alltag ist.

Die Macht des Staates wurde bestmöglich demonstriert: mit Handschellen abgeführt; bei der Durchsuchung ruppig gegen einen Stromkasten gestoßen; mir wurden etliche Kleidungsstücke entwendet bis ich bibbernd in der Kälte stand.
Die ersten Tage waren für mich besonders schwer. Wir wurden nacheinander in unterschiedliche Gefangensammelstellen gefahren. Die Gruppe wurde getrennt. Wir blieben zu zweit. Essen gab es nur selten und nur auf mehrmaliges Nachfragen und infolgedessen stundenlangem Warten. Es war unsicher, wie es mit uns weiter geht. Dass ich einem/einer Haftrichter*in vorgeführt werden sollte, erfuhr ich auf der Fahrt zum Gericht. Ich erinnere noch, wie sich schon nach etwa 24 Stunden Gefangenschaft ein Gefühl der Resignation einstellte. Ich fühlte mich ausgeliefert und gebrochen.
Daran änderte sich auch in der Justizvollzugsanstalt nichts. Das Personal war stark unterbesetzt und auf Bitten folgten nur selten Handlungen. Besonders frustrierend war dies in Bezug auf den telefonischen Kontakt zu meinem Anwalt: 2 Tage lang versuchte ich mit meinem Anwalt Kontakt aufzunehmen, jedoch wurde mir immer gesagt, dass derzeit niemensch Vorort sei, der das Gespräch überwachen könnte und daher kein Telefonat möglich sei.
Die meiste Zeit saß ich einfach vorm Fenster. Ich hatte Glück: Meine Zelle lag Richtung Hof. In meiner Einsamkeit tat es gut, mehrere Stunden des Tages anderen Gefangenen beim Hofgang zu zuschauen. Ein*e Aktivist*in meinte während eines Hofgangs zu mir: “Hier zu sein fühlt sich an wie eine Depression. Nichts, was du tust, bringt dir Freude.”

Jetzt bin ich raus, aber mein Haftbefehl wurde nicht aufgehoben. Ich bin lediglich von dessen “Vollzug verschont”, solange ich mich alle zwei Tage bei dem für meinen Wohnort zuständigem Polizeirevier melde und den Dannenröder Forst nicht betrete. Begründet wird dies mit Fluchtgefahr. Nach Aussage mehrer Anwält*innen: komplett konstruiert. Personalien liegen ja vor. Trotzdem schränkt die Staatsanwaltschaft mit ihren Auflagen weiterhin drastisch meine Freiheit ein. Ich fühle mich unfair behandelt.

Der Staat wendet an uns Elf Mittel an, die normalerweise nur bei sehr viel extremeren Strafvorwürfen angewandt werden. Das Agieren der Judikative ist hier komplett unverständlich. Daher fordern wir die Freilassung der Inhaftierten und eine generellen Aufhebung der Haftbefehle – ohne weitere freiheitsbeschränkende Auflagen.
Freiheit für uns Elf.

Für eine fairere Welt und ein menschlicheres Miteinander.

Als Audio bei Soundcloud: https://soundcloud.com/user-634739516/einer-von-den-elf-erzahlt

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Hi,
I am one of the eleven and I am telling you about my experiences here today because, unlike many others, I have the opportunity to do so. They are still in custody – they are forced to remain silent. For 5 days I shared their fate. Had to endure being humiliated and harassed. I experienced what it feels like when people treat you without any respect from the very beginning. How privileged I must be if this is not everyday life for me.

The power of the state was demonstrated in the best possible way: I was taken away in handcuffs; during the search I was roughly knocked against an electrical box; several pieces of clothing were taken from me until I stood shivering in the cold.
The first few days were especially hard for me. We were driven one after the other to different prison collection points. The group was separated. We remained in pairs. Food was only available rarely and only after several requests and, as a result, hours of waiting. It was uncertain how things would go on with us. On the way to the court I learned that I was to be presented to a judge. I still remember how a feeling of resignation arose after about 24 hours of captivity. I felt delivered and broken.
This did not change in the prison either. The staff was severely understaffed and actions rarely followed requests. This was particularly frustrating when it came to telephone contact with my lawyer: for 2 days I tried to contact my lawyer, but was always told that at the moment there was no one on site who could monitor the conversation and therefore no telephone call was possible.
Most of the time I just sat outside the window. I was lucky: my cell was facing the yard. In my loneliness it was good to watch other prisoners walking around the yard for several hours a day. One activist said to me during a yard exercise: “Being here feels like a depression. Nothing you do, brings you joy.

Now I’m out, but my arrest warrant was not revoked. I am merely spared from its “execution” as long as I report to the police station responsible for my place of residence every two days and do not enter Dannenröder Forst. The reason given for this is the danger of escaping. According to several lawyers: completely constructed. Personal details are available. Nevertheless, the public prosecutor’s office continues to drastically restrict my freedom with its conditions. I feel treated unfairly.
The state is using methods against us eleven people that are normally only used for much more extreme criminal charges. The action of the judiciary is completely incomprehensible here. That is why we are calling for the release of the imprisoned and for a general lifting of the arrest warrants – without further freedom-limiting conditions.
Freedom for us eleven.

For a fairer world and a more humane coexistence.